Psychotherapeutische Praxis Katrin Lange

Bei welchen Beschwerdebildern ist Psychotherapie sinnvoll und wirksam?

Prinzipiell kann jeder Mensch irgendwann in seinem Leben an einen Punkt kommen, an welchem die bisherigen Bewältigungsstrategien nicht mehr funktionieren bzw. die Ressourcen und Kapazitäten durch eine langandauernde Belastung und/oder akute Lebenskrise schlicht erschöpft sind. Ferner können auch genetische Faktoren sowie schädliche biografische Einflüsse zur Entstehung psychischer Krankheiten beitragen. Die Verhaltenstherapie vertritt die Meinung, dass eine individuelle Verletzlichkeit oder Anfälligkeit für bestimmte psychische Erkrankungen in Kombination mit ausreichenden Belastungen zur Manifestation krankheitswertiger Symptome führen kann (Vulnerabilität-Stress-Modell). Während an der so genannten Vulnerabilität (z.B. einer genetischen Häufung depressiver Erkrankungen in der Familie eines Menschen) leider nichts zu verändern ist, so gibt es doch vielfältige Möglichkeiten der positiven Einflussnahme auf änderbare Belastungsfaktoren (den so genannten Stressoren). Die kognitive Verhaltenstherapie bietet effektive Behandlungsmethoden für eine Reihe psychischer Beschwerdebilder.

Affektive Störungen

 

Bei den so genannten affektiven Störungen handelt es sich um Störungen der Stimmungs-, Antriebs- und Motivationslage. Dabei wird zwischen depressiven und manischen Episoden sowie einmaligen Episoden und wiederkehrenden bzw. chronischen Krankheitsverläufen unterschieden. Es handelt sich nicht um kurze Stimmungsschwankungen, sondern um längere Episoden ausgeprägter Veränderungen in Erleben, Denken und Verhalten.

 

Bipolare Affektive Störungen

Unter die bipolaren affektiven Störungen fallen alle manischen Episoden sowie manisch-depressiv gemischte oder sich untereinander abwechselnden Krankheitsverläufe. Eine manische Episode zeichnet sich zum Beispiel durch ein deutlich vermindertes Schlafbedürfnis, rasende Gedanken und Ideen, allgemein gesteigerte Aktivität und Rededrang sowie leichtsinniges Verhalten (z.B. unbedachte Geldausgaben) und soziale/sexuelle Enthemmung aus.

 

Depressive Episode

Je nach Schwere der depressiven Episode beobachtet man eine Kombination aus unterschiedlich vielen typischen Symptomen (häufig Verlust von Freude, Interesse und Antrieb, Selbstvorwürfe, Dünnhäutigkeit/Reizbarkeit und Schlafstörungen). Die Diagnose kann erst nach einer Symptomdauer von mindestens zwei Wochen gestellt werden.

 

Rezidivierende (wiederkehrende) Depressive Störung

Unter dem Begriff „rezidivierend“ versteht man das zumindest einmalige Wiederkehren einer depressiven und/oder manischen Symptomatik im Rahmen einer affektiven Störung.

 

Anhaltende Affektive Störungen

chronische depressive Störung: Hält eine klinisch relevante depressive Symptomatik länger als zwei Jahre an, spricht man von einer chronischen Depression. Diese schwere Verlaufsform stellt für Betroffene und Angehörige verständlicherweise eine große Belastung und Herausforderung dar, ist jedoch eine vergleichsweise seltene Prognose.

 

Zyklothymie: Bei einer zyklothymen affektiven Störung wechseln sich leicht manische und depressive Episoden mit oder ohne Phasen durchschnittlicher Stimmungslage rasch ab. Die Mindestdauer zur Diagnosestellung beträgt zwei Jahre.

 

Disthymie: Eine leichtere Form einer lang andauernden Neigung zu depressiven Symptomen. Die Bewältigung alltäglicher Anforderungen gelingt den Betroffenen meist ausreichend gut, jedoch ist die Lebensqualität durch chronische Müdigkeit, Missstimmung, Grübeleien und Schlafstörungen deutlich beeinträchtigt.

 

Angststörungen

 

Angst gehört zu den grundlegenden Gefühlen des Menschen. Jeder kennt dieses Gefühl. Angst entsteht dann, wenn wir glauben etwas Gefährliches könne passieren und die Gefahr könne nicht abgewandt werden. Um schnell und effektiv auf die Gefahr reagieren zu können, wird der Körper in einen Zustand der Alarmbereitschaft versetzt und die Aufmerksamkeit auf Gefahrenreize gelenkt (Tunnelblick). Hiermit gehen körperliche Veränderungen einher wie z.B. eine erhöhte Atem- und Herzfrequenz sowie Muskelanspannung. Dies alles dient der Energiebereitstellung für Flucht oder Kampf. Ist die Gefahrensituation bewältigt, normalisieren sich die körperlichen Veränderungen und die Aufmerksamkeit kann wieder anderen Dingen zugewendet werden.

 

Wann wird Angst zu einer Störung?

 

Menschen mit einer Angststörung erleben übermäßig starke, häufige und ausgeprägte Ängste, verbunden mit einem hohen Leidensdruck. Das subjektive Erleben in Angstsituationen ist geprägt durch einen Kontrollverlust. Um die Ängste zu bewältigen wird meist ein übermäßiges Vermeidungs- bzw. Fluchtverhalten den angstauslösenden Situationen oder Objekten gegenüber entwickelt. Hieraus ergeben sich häufig viele Einschränkungen im Alltag und bei der Bewältigung des eigenen Lebens.

 

Welche Angststörungen gibt es?

 

Phobische Störungen: Die Angst wird hervorgerufen durch vorwiegend eindeutig definierte, jedoch objektiv ungefährliche Situationen. Schon die Vorstellung, solch eine Situation könnte auftreten, löst massive Erwartungsängste aus. Es werden verschiedene Formen phobischer Störungen unterschieden:

 

Die Agoraphobie ist gekennzeichnet durch die Angst das Haus zu verlassen, sich auf öffentlichen Plätzen oder in Menschenmassen zu bewegen, alleine in öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen oder Geschäfte betreten zu müssen. In diesen Situationen kann es zu Panikattacken kommen. Viele Menschen, die an einer Agoraphobie leiden, vermeiden jedoch bestmöglich angstauslösende Situationen, so dass letztendlich kaum noch Angst erlebt wird.

 

Unter sozialer Phobie wird die Angst vor der Bewertung durch andere Menschen verstanden. Soziale Phobien gehen in der Regel mit der Furcht vor Kritik und einem geringen Selbstwert einher. Typische Symptome in sozialen Situationen sind Erröten, Zittern, Übelkeit und der Angst „nichts sagen“ zu können.

 

Spezifische Phobien sind gekennzeichnet durch die Angst vor eng umschriebenen Situationen z.B. Fliegen, Höhe, geschlossenen Räumen, bestimmten Speisen, Zahnarztbesuchen. Auch diese Situationen können von Panikattacken begleitet sein.

 

Panikstörungen: Das Hauptmerkmal von Panikattacken sind Furchtreaktionen, die sich nicht auf umschriebene Situationen bzw. Umstände beziehen. Sie gehen häufig mit plötzlich verstärktem Herzschlag, Schwindelgefühlen, Erstickungsgefühlen, Brustschmerz und der Befürchtung zu sterben, ohnmächtig zu werden oder die Kontrolle zu verlieren einher. Panikattacken sind nicht vorhersehbar, sondern kommen scheinbar „aus heiterem Himmel“.

 

Generalisierte Angststörungen: Unter generalisierten Angststörungen werden solche verstanden, bei denen Angst und Sorge anhaltend und verallgemeinert vorhanden sind, ohne auf bestimmt Umstände bzw. Situationen bezogen zu sein. Häufige Symptome sind Muskelanspannung, Zittern, Schwitzen, Schwindelgefühle, Benommenheit, ständige Nervosität, Oberbauchbeschwerden und die Befürchtung, man selbst oder ein Angehöriger könnte erkranken bzw. einen Unfall haben.

Anpassungsstörungen

 

Hierbei handelt es sich um Zustände von subjektiver Bedrängnis und emotionaler Beeinträchtigung, die im Allgemeinen soziale Funktionen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder nach belastenden Lebensereignissen auftreten. Die Belastung kann das soziale Netz des Betroffenen beschädigt haben (wie bei einem Trauerfall oder Trennungserlebnissen) oder das weitere Umfeld sozialer Unterstützung oder soziale Werte (wie bei Emigration oder nach Flucht). Sie kann auch in einem größeren Entwicklungsschritt oder einer Krise bestehen (wie Schulbesuch, Elternschaft, Misserfolg, Erreichen eines ersehnten Zieles und Ruhestand). Es ist davon auszugehen, dass das Krankheitsbild ohne die Belastung nicht entstanden wäre. Die Anzeichen sind unterschiedlich und umfassen...

  • Trauer, Antriebslosigkeit, Energielosigkeit
  • Unfähigkeit, Freude zu empfinden (nichts macht mehr Spaß)
  • Angst und häufiges sorgenvolles Grübeln über das auslösende Thema
  • Reizbarkeit (sich „dünnhäutig“ fühlen)
  • sozialer Rückzug (sich „einigeln“), Nähe anderer nicht ertragen
  • Gefühl der inneren Leere, sich taub-, stumpf- oder gar nicht fühlen
  • beständiges Kreisen der Gedanken um das auslösende Thema

Die Bewältigung alltäglicher Anforderungen gelingt unter Umständen nur noch unter größter Anstrengung oder gar nicht mehr ausreichend. Gewohnte Tätigkeiten werden eingestellt. Betroffenen erscheint die bisher normale Lebensführung plötzlich sinnlos bis hin zu Selbstmordgedanken („Wozu soll ich noch leben, seit XYZ passiert ist?!“). Selten kommt es auch bei Erwachsenen zu plötzlichen Veränderungen im Sozialverhalten wie unüblichen aggressiven Durchbrüchen oder delinquenten Verhaltensweisen (Stehlen, alkoholisiert Auto Fahren o.Ä.). Zentrales Therapieziel ist eine erfolgreiche Anpassung an die durch das Ereignis veränderten Lebensumstände, was ggf. auch ein in Frage Stellen der bisherigen Prioritäten und der bisherigen Selbstdefinition erforderlich machen kann.

Burn out Syndrom

 

Bei dem Begriff des „burn out“ handelt es sich nicht um eine klassifizierte psychische Störung, sondern um einen Zustand körperlicher, emotionaler oder geistiger Erschöpfung, der sich meist über einen längeren Zeitraum entwickelt.

Es wird oftmals als Synonym für eine Erschöpfungsdepression beschrieben. In diesen Zustand kann prinzipiell jeder Mensch geraten, oftmals wenn der Anforderungsdruck größer ist als die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten. Die Bewältigung alltäglicher Anforderungen gelingt nicht mehr ausreichend. Häufig betroffen sind Menschen, die sich für andere Menschen oder ein Unternehmen „aufopfern“, die dabei wenig Handlungsspielräume haben und wenig Wertschätzung für ihre Mühen erleben. Sowohl die eigenen Umweltbedingungen, als auch die persönliche Lebens- und Erlebensgeschichte sind Faktoren, die einen Einfluss auf die Entwicklung des burn outs haben.

Meist erleben Betroffene sich als müde, kraftlos, antriebsarm und reizbar. Sie ziehen sich von anderen Menschen zurück, werden manchmal zynisch und gleichgültig den Gefühlen und Bedürfnissen anderer gegenüber und erleben ihr eigenes Handeln als sinnlos. Um weiterhin den Anforderungen des Alltags gewachsen zu sein, wenden Betroffene immer mehr Energie auf. Dabei erreichen sie jedoch eine immer geringere Effizienz, sodass Erfolgserlebnisse ausbleiben. Es kann zu dem Vollbild einer schweren Depression kommen. Häufig wird ein burn out begleitet von vegetativen Symptomen wie beispielsweise Blutdruckregulationsstörungen, Einschränkung der Herzratenvariabilität, Reizmagen oder auch Schmerzen (insbesondere Nacken, Rücken, Schulter). Die geschädigte Immunabwehr führt zu häufigen Infekten. Schlafstörungen werden nicht selten beobachtet. Die Symptomlage ist dementsprechend vielfältig und Bedarf einer fachgebietsübergreifenden Diagnose. Einzelne Symptome, vor allem, wenn sie länger andauern, können Hinweise auf die Entwicklung eines burn outs geben.

Essstörungen

 

Unter Essstörungen fasst man all jene Phänomene zusammen, bei denen eine nahezu ständige gedankliche und gefühlsmäßige Beschäftigung mit Essen oder Nicht-Essen, Figur und Gewicht im Vordergrund steht. Dabei reicht das Spektrum von streng-gezügeltem Essen und ggf. exzessivem Sport (Anorexie) über Heißhungeranfälle mit anschließenden Gegenregulationsmaßnahmen (Bulimie) bis hin zu krankhaftem Übergewicht durch häufige Heißhungeranfälle ohne anschließende Gegenregulationsmaßnahmen (Binge Eating Störung). Typische gewichtsreduzierende Verhaltensweisen sind Erbrechen, exzessiver Sport, der häufige Gebrauch von Abführ- oder Entwässerungsmitteln.

Die eigentliche Verhaltensstörung wird dabei von den meisten Betroffenen aus Scham und Angst vor negativer Bewertung anderer möglichst geheim gehalten oder verleugnet. Die gesunde Regulation von Hunger- und Sättigungsgefühl gerät mit zunehmender Dauer der Störung aus den Fugen. Es kommt zu einer gedanklichen Einengung auf Essen und Essverhalten. Alltagsbewältigung und soziale Kontakte werden dem Essverhalten untergeordnet und können dadurch schwer beeinträchtigt sein. Depressive Stimmungslagen bis hin zu klinisch relevanten depressiven Episoden sind häufige Begleiterscheinung. Je nach Art und Ausmaß der Symptomatik können schwerwiegende oder sogar lebensbedrohliche körperliche Folgeschäden entstehen. Daran beteiligt ist meist eine überdurchschnittlich verzerrte Wahrnehmung der eigenen Körperproportionen (sich im Gesamten oder an bestimmten Körperstellen zu dick fühlen, obwohl dies objektiv nicht der Fall ist).

Familiäre und/oder andere soziale Belastungssituationen, verschiedene erbliche biologische Faktoren, problematische Vorbilder in sozialem Umfeld und Medien sowie begünstigende Persönlichkeitseigenschaften werden als mögliche Ursachen für die Entstehung und Aufrechterhaltung gestörten Essverhaltens diskutiert.

Interaktionsstörungen (Persönlichkeitsstörungen)

 

Unter den Begriffen „Interaktionsstörungen“ oder „Persönlichkeitsstörungen“ werden Beschwerdebilder zusammengefasst, bei denen bestimmte Charaktereigenschaften in Intensität, Dauer und Inhalt deutlich von der Norm abweichen. Dies führt insbesondere im zwischenmenschlichen Bereich zu Schwierigkeiten und/oder Konflikten, die sich typischerweise immer wieder und in verschiedenen Lebensbereichen und Kontexten zu wiederholen scheinen. Für Betroffene und deren Umfeld bedeutet dies meist großen Leidensdruck. Die Übergänge von einem ausgeprägten Charakterzug zu einem problematischen Persönlichkeitsstil bis hin zu einer Persönlichkeitsstörung sind dabei fließend und die Diagnosestellung abhängig von Beginn, Dauer und Ausmaß der Beeinträchtigung für Lebensqualität und soziale Integration.

Als ursächlich wird eine Kombination aus Veranlagung, ungünstigen biografischen Erfahrungen und dauerhaft aufrechterhaltenden Bedingungen angenommen. So mag ein Kind mit einem bestimmten „Temperament“ und bestimmten erblich bedingten Voraussetzungen (z.B. leicht reizbar, hoch sensibel, starke und lang andauernd emotional reagierend, schwer zu beruhigen, ängstlich) in eine ungünstige Situation hinein geboren werden. Ungünstig sind Voraussetzungen zur Entwicklung immer dann, wenn wichtige kindliche (und generell menschliche!) Grundbedürfnisse nicht ausreichend erfüllt werden können. Unter solchen ungünstigen Umständen entwickeln Kinder und Heranwachsende notwendige und zunächst absolut sinnvolle Bewältigungsstrategien in Denken, Fühlen und Verhalten, die jedoch später im Leben ggf. nicht mehr von Vorteil sein mögen.

Posttraumatische Belastungsstörung und Traumafolgestörungen

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS):

Eine posttraumatische Belastungsstörung kann sich bei jedem Menschen entwickeln, der einer Situation außergewöhnlicher (Lebens-) Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes ausgesetzt war und auf diese mit intensiver Furcht, Hilflosigkeit und Entsetzen reagiert hat. Diese Situation kann das eigene Leben oder das von Angehörigen bedroht haben. Bei Kindern werden sexuelle Erlebnisse, die dem Entwicklungsstand nicht angemessen sind, eingeschlossen. Allen Traumafolgestörungen ist gemein, dass sie ohne das traumatische Ereignis nicht aufgetreten wären.

 

Als potentiell traumatische Ereignisse können folgende betrachtet werden:

  • Vergewaltigung
  • sexueller Missbrauch
  • körperlicher Angriff
  • Kriegseinsatz
  • Geiselnahme, Gefangenschaft
  • Naturkatastrophen
  • schwere Unfälle
  • Folter
  • Körperliche Erkrankungen oder medizinische Eingriffe

 

Nicht jeder Mensch, der einem außergewöhnlich bedrohlichem Erlebnis ausgesetzt war, entwickelt eine PTBS. Nach einem traumatischen Ereignis erleben fast alle Menschen unangenehme Gefühle, körperliche Veränderungen oder negative Gedanken. Diese Gedanken, Gefühle und Empfindungen sind eine normale Reaktion auf dieses Stresserlebnis. Ob sich nach so einem Ereignis eine PTBS entwickelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neuere Forschungen zeigen, dass die Schwere der PTBS mit dem wahrgenommenen Verlust von Autonomie (Verlust der Kontrolle über das Geschehen) in Verbindung zu stehen scheint.

 

Folgende Symptome sind kennzeichnend für eine PTBS und entwickeln sich in der Regel innerhalb von 6 Monaten nach dem Ereignis:

 

  • Die betroffene Person erlebt die Situation/das Ereignis in sich aufdrängenden Erinnerungen, Alpträumen oder Träumen
  • Sie erlebt ein andauerndes Gefühl von Stumpfheit und betäubt Sein, häufig verbunden mit der Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen oder der Umgebung. Zudem herrscht Freudlosigkeit vor.
  • Sie vermeidet in der Regel Situationen, Menschen oder Aktivitäten, die Erinnerungen an das Trauma hervorrufen können.
  • Sie entwickelt meist Schlafstörungen und eine übermäßige Schreckhaftigkeit. Das vegetative Nervensystem ist übererregt und in dauernder „Hab Acht“- Haltung.
  • Häufig treten Depressionen und Ängste auf.
  • Bei manchen Betroffenen kommt es zu akuten Ausbrüchen von Angst, Panik oder Aggression.

 

Weitere Traumafolgestörungen:

 

Akute Belastungsreaktion: Symptome einer akute Belastungsreaktion entwickeln sich innerhalb von einer Stunde nach dem Ereignis. Häufige Symptome sind intensive Angst, die Einengung der Aufmerksamkeit (Tunnelblick), Desorientiertheit, sozialer Rückzug, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Ärger, Aggression, und Überaktivität. Die Reaktionen bilden sich in der Regel innerhalb von 48 Stunden zurück.

 

Dissoziative Störungen: Hierunter wird der teilweise oder völlige Verlust der normalen Integration von Erinnerungen an die Vergangenheit, der eigenen Identität, der Wahrnehmung unmittelbarer Empfindungen oder Kontrolle über Körperbewegungen verstanden. Diese Störungen können nach einem traumatisch erlebten Ereignis auftreten und entwickeln sich in der Regel innerhalb von Wochen oder Monaten zurück. Zum Beispiel wird die Umgebung, der eigene Körper oder Körperteile als fremd oder verändert wahrgenommen, man handelt „auf Autopilot“ oder „steht neben sich“.

Psychosen des schizophrenen Formenkreises

 

Die schizophrene Psychose gilt als eine der schwersten psychiatrischen Erkrankungen. Weltweit sind ca. 1% der Bevölkerung unabhängig von Kultur, Bildung oder sozioökonomischem Status betroffen. Die Ursachen sind noch nicht abschließend erforscht. Die Wahrscheinlichkeit an einer Psychose zu erkranken ist jedoch erhöht, wenn einer oder beide Elternteile betroffen sind, so dass eine genetische Disposition angenommen wird. Ob es zu einer akuten Erkrankung kommt, hängt jedoch nicht allein von der Veranlagung ab, sondern auch von ungünstigen Umweltbedingungen und Stressfaktoren. Daher wird heute von einem sog. Vulnerabilitäts (Verletzbarkeits) – Stress-Modell ausgegangen.

 

Folgende wesentliche Symptome sind typisch für eine akute Psychose (Akutsymptomatik), treten jedoch nicht notwendigerweise alle auf:

 

  • ein häufiges Symptom stellen Wahnvorstellungen dar (beispielhaft: Kontrollwahn, Verfolgungswahn, Beeinflussungswahn)
  • darüber hinaus kann es zu der Vorstellung kommen, dass die eigenen Gedanken laut werden, von anderen Menschen entzogen oder eingegeben werden oder sich ausbreiten
  • häufig tritt ein Stimmenhören auf d.h. der Betroffene hört Stimmen, die sein Verhalten kommentieren, oder Dialoge, die über das Verhalten diskutieren
  • weiter kann es zu Halluzinationen kommen, die alle Sinnesmodalitäten betreffen können
  • häufig sind Gedankengänge gelockert, Gedanken reißen ab, es können neue Worte kreiert werden sog. Neologismen oder der Gedankenfluss ist zerfahren. Manchmal tritt eine Verarmung im Inhalt der Sprache auf
  • es kann zu psychomotorischen Störungen kommen in Form einer Verminderung der Spontanbewegung oder zu Steifheit. Darüber hinaus kann es aber auch zu sinnlosen und stereotypen erregten motorischen Bewegungen kommen oder zu bizarren Haltungen.

 

Nach Abklingen einer akuten Psychose, die in jedem Fall psychiatrisch pharmakologisch behandelt werden sollte, kann es zu einer sog. Postschizophrenen Depression kommen mit Antriebsarmut, Konzentrationsschwierigkeiten, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Verlust des Selbstvertrauens, Selbstvorwürfen oder Schuldgefühlen, vermindertem Denkvermögen und sozialem Rückzug. Auffällig ist häufig eine affektive Verflachung.

 

Die Prognose ist in Abhängigkeit von Beginn und Verlauf der Erkrankung sehr unterschiedlich. Etwa 25% der Ersterkrankten, erleben nur eine akute Psychose und es kommt zu einer vollständigen Remission. Ca. 50% der Erkrankten erleben zwar mehrere Phasen, sind aber sozial mehr oder weniger angepasst und nur bei 25% kommt es zu einer Chronifizierung.

Somatoforme Störungen

Mit „somatoform“ bezeichnet man eine Vielzahl körperlicher Beschwerden (Missempfindungen und/oder Schmerzen), die sich nicht oder nicht hinreichend durch organische Ursachen erklären lassen. Man nimmt an, dass sie vielmehr durch dauerhaften seelischen Stress (z.B. durch eine schädigende berufliche oder private Situation) verursacht werden. Dem entsprechend handelt es sich bei den somatoformen Beschwerden überwiegend um Symptome in Organsystemen, die durch das vegetative Nervensystem gesteuert werden, welches durch die Ausschüttung von Stresshormonen beeinflusst wird (Herz-Kreislauf-System, Magen-Darm-Trakt, Atemwegstrakt, Urogenital-Trakt).

Betroffene somatoformer Störungen sind keine Simulanten und bilden sich ihre Beschwerden nicht ein. Die Beschwerden existieren tatsächlich. Wird jedoch keine ausreichende schulmedizinische Erklärung gefunden, führt das häufig zu Verunsicherung, Verzweiflung und Ärger über Ärzte und Angehörige (sich nicht verstanden fühlen, sich abgeschoben fühlen etc.). Eine weitere häufige Folge ist die zunehmende Aufmerksamkeitslenkung hin zu den unerklärlichen Symptomen, um sie zu beobachten, verstehen und unter Kontrolle bringen zu können. Dadurch entsteht jedoch rasch ein ungünstiger Aufschauklungsprozess. Besteht ein dauerhafter und hartnäckiger Zweifel an der Richtigkeit der ärztlichen Untersuchungen und Befundungen, kann sich auch eine hypochondrische Störung entwickeln, bei welcher die Überzeugung, lebensbedrohlich erkrankt und/oder kosmetisch entstellt zu sein, im Vordergrund steht. Es kommt zu häufigen – nicht selten sehr zeitintensiven und kostspieligen – Besuchen bei Fachärzten und verschiedensten Anbietern alternativer Heilmethoden. Die Arbeitsfähigkeit kann verloren gehen, was wiederum zur weiteren Einengung der Aufmerksamkeit auf das Thema Körper und Krankheit beiträgt.

Zwangsstörungen

Die meisten Menschen bilden im Laufe ihres Lebens Gewohnheiten aus, die sie tagtäglich ausführen. Das ist für den Menschen sinnvoll, da er so nicht jede Handlung neu überdenken muss. Solche Gewohnheiten können das morgendliche Kaffeetrinken oder Zähneputzen sein, aber auch das kontrollieren, ob Elektrogeräte ausgeschaltet sind, bevor man das Haus verlässt. Viele Menschen haben darüber hinaus sog. Marotten, sie führen Talismane mit, klopfen auf Holz oder haben Rituale im Berufs- oder Privatleben. Teilweise erinnern diese Verhaltensweisen an abergläubisches Verhalten. Diese Verhaltensweisen schränken in der Regel jedoch nicht das eigene Leben ein.

Von einer krankheitswertigen Störung kann jedoch ausgegangen werden, wenn diese Verhaltensweisen die Erreichung von Zielen beeinträchtigen z.B. in dem sie zu viel Zeit erfordern oder die Lebensführung und Alltagsbewältigung beeinträchtigen.

Wesentliche Kennzeichen einer Zwangsstörung sind immer wiederkehrende Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen. Diese werden meist als quälend empfunden, die Person, die davon betroffen ist, versucht in der Regel erfolglos Widerstand zu leisten.

Meist ist Angst vorhanden, die sich verstärkt, wenn die Zwangshandlungen oder Gedanken unterdrückt oder unterbrochen werden.

 

Typische Merkmale einer Zwangsstörung sind:

 

  • Die betroffene Person erkennt seine Handlungen bzw. Gedanken als sinnlos
  • Sie leistet Widerstand gegen Impulse, Handlungen und/oder Gedanken
  • Sie unterliegt einem inneren Drang, bestimmte Dinge zu tun oder zu denken
  • Sie erlebt eine deutliche Beeinträchtigung ihres Lebens aufgrund der Handlungen und Gedanken

 

Zwangsgedanken oder Grübelzwang: Hierbei handelt es sich meist um quälende zwanghafte Ideen oder bildliche Vorstellungen, die häufig in endlose Überlegungen führen und teilweise Entscheidungen des alltäglichen Lebens behindern. Zwanghaftes Grübeln steht häufig auch in Verbindung mit einer depressiven Störung.

 

Zwangshandlungen: Die meisten Zwangshandlungen stehen in Verbindung mit Reinlichkeit, übermäßiger Sauberkeit, übertriebene Ordnung oder Kontrollverhalten. Dieses Verhalten dient dazu, eine mögliche Gefahr abzuwenden, wie z.B. die Furcht vor einer Infektion.

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